Spätestens, seitdem Chat GPT ein MBA-Examen bestanden hat, dürften auch Texter und Journalisten die neue KI auf dem Radar haben. Doch was taugt der Textroboter, wenn es darum geht, die Arbeit eines Schreibers zu erledigen? Die Probe aufs Exempel.
«Das kannst Du googlen», hiess es früher. «Frag Chat GPT», heisst es immer öfter. Dass Chat GPT 4o eine ernste Konkurrenz für die klassische Internet-Suche ist, liegt auf der Hand – denn das raffinierte Sprachmodell antwortet, zumindest meistens, exakt auf die gestellten Fragen, statt nur eine Auswahlsendung an Websites anzuzeigen, welche die Antwort allenfalls beinhalten könnten. Chat GPT beherrscht dabei den klassischen Textaufbau im Stil Einleitung-Hauptteil-Schluss, es nennt Quellen für weiterführendes Wissen – und berücksichtigt sogar gewünschte Stil-Inputs. Aber wie ist diese Leistung möglich und taugt das KI-Sprachmodell gar als Ersatz für menschliche Textprofis?
Generative pre-trained transformer (GPT): Ein neuronales Netz ohne ICH und Verstand
Schon 5 Minuten Unterhaltung mit Chat GPT können eine wahre Sogwirkung entfalten und den Verdacht wecken, eine Art im Internet gefangener Djinn stehe kurz vor dem erfolgreichen Ausbruch. Das belegen Medienberichte von Usern, welche die KI zumindest zu eigenartig pubertären, emotionalen Ausbrüchen getrieben haben. Doch dass Menschen grundsätzlich gerne ihresgleichen oder die Tier- und Fabelwelt erblicken, zeigt sich beim kindlichen Blick in die Wolken, der allerlei Gesichter und (Fabel-)Wesen zutage fördert. Chat GPT ist effektiv nichts anderes als ein Deep-Learning-Modell, das die Verarbeitung natürlicher Sprache beherrscht. Allerdings in nie zuvor dagewesener Präzision und Eloquenz. Es kann Text generieren, indem es das nächste Wort in einer Sequenz von Worten vorhersagt – aufgrund von Wahrscheinlichkeiten, unter Berücksichtigung des gegebenen Kontextes.
Dazu wurde das Modell mit Hunderten von Gigabytes an Textdaten aus dem Internet trainiert. Es verwendet nach Inputs durch Benutzer den Transformer, eine neuronale Netzwerk-Architektur, die grosse Mengen an Textdaten effektiv prozessieren – und komplexe Beziehungen zwischen Wörtern und Sätzen logisch erfassen kann.
ICH-Bewusstsein und Kreativität sind jedoch kein Teil von Chat GPT. Das Netz «weiss», etwa im Fall einer Text-Zusammenfassung, nicht einmal, was es tut – doch es erledigt die Aufgabe dennoch korrekt.
Mehr dazu im Teil 2 über «Ist die KI der Storyteller und PR-Redaktor von morgen?».
